Erfahrungsbericht: Geburt von Zwillingen in der 24.ssw

Andrea RathBaby

Heute berichtet eine Mama von der viel zu frühen Geburt ihrer Zwillinge, die leider viel zu schnell wieder gehen mussten. Ein sehr ehrlicher, emotionaler und doch mutmachender Geburtsbericht und die anschließenden Erfahrungen.

Erfahrungsbericht einer viel zu frühen Geburt von Zwillingen

Ich war und bin ein Mensch der immer an das Gute in der Welt glaubt und vielleicht sogar ein bisschen naiv an die Dinge herangeht. Denn ich glaube, dass alles gut ausgeht. Als also die Ärzte, kurz vor Weihnachten, vor mir standen und mir erklärten was es heißt, dass meine Zwillinge in den nächsten Tagen auf die Welt kommen werden, hatte ich zwei gesunde Kinder vor meinen Augen, die in der Sandkiste spielten.

Alle um mich herum versuchten, dass ich mich entspannte, denn es musste in ihren Augen eine Katastrophe sein, wenn Babys in der 24. SSW auf die Welt kommen. Für das Umfeld war es so, aber ich glaubte fest daran, dass meine Kinder diese Herkulesaufgabe meistern würden.


Bei einer Routinekontrolle wurde fest gestellt, dass der Muttermund sich geöffnet hatte und die Fruchtblase zu sehen ist. Ich habe kein Zwicken oder nur eine einzige Wehe gespürt. Als ich dann im Krankenhaus angekommen bin und an viele Geräte bzw. Nadeln angehängt wurde, kamen die Kinderärzte zu mir und erklärten mir, was alles passieren könnte und welche Risiken es gibt.

Die alles entscheidende Frage allerdings war, möchten wir als Eltern den Kinder die Chance geben zu leben oder wollen wir sie nicht an die Medizin anschließen, sodass sie sterben können. Als mein Mann endlich im Kreißsaal angekommen ist, war für uns die Antwort einfach und klar. Sie sollen die Chance bekommen. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich immer noch, dass sich die Wehen aufhalten lassen. Doch nach zweieinhalb Tagen war dieser Glaube Geschichte.

An einem Sonntag am Vormittag kamen Sophia und Katharina per Kaiserschnitt auf die Welt. Alles was zuvor war, war in diesem Augenblick nicht mehr wichtig. Die lange Zeit des verzweifelten Kinderwunsches, die komplizierte Schwangerschaft und die vielen Risiken die es bei einer extremen Frühgeburt gibt. Unsere Mädchen waren perfekt und mein Glaube daran, dass wir in ein paar Monaten zu viert nach Hause gehen war fest in mir verankert. Selbst als ich nach zwei Tagen, mitten in der Nacht aufgeweckt wurde mit der Nachricht, dass es Sophia sehr schlecht geht, habe ich noch darauf gehofft.

Mein Mann kam nach einer halben Stunde und uns wurde mitgeteilt, dass unsere Tochter eine massive Hirnblutung hatte, die mit dem Leben nicht vereinbar ist und deshalb die Maschinen abgestellt werden müssen. Wieder war es an uns zu entscheiden, ob wir bei ihr bleiben oder sie alleine sterben lassen. Ich hatte zwei Kinder und keines von beiden konnte ich bis zu diesem Zeitpunkt halten. Die einzige Umarmung der ich meiner Sophia gegeben habe, war die in ihrer Todesstunde.

Das Weihnachtslied „Stille Nacht“ war das einzige Lied, das uns eingefallen war ihr vorzusingen und wird deshalb immer mit ihr verknüpft sein. Ich entließ mich selbst aus dem Krankenhaus, weil es für mich wichtig war etwas für mein Kind tun zu können auch, wenn es nicht im herkömmlichen Sinne war. Zu der ganzen Organisation bin ich täglich auf die Neonatologie gefahren, um für Katharina da zu sein. Ihr ging es von Anfang an besser als ihrer Schwester und konnte am Tag der Beerdigung alleine atmen.

Die Ärzte haben uns klar gesagt, dass sie noch lange nicht über den Berg ist und sich alles innerhalb ein paar Stunden ändern kann. Wir haben viele Höhen und Tiefen mitgemacht. Die Atmung unsere zweiten Tochter war immer in Ordnung und die Ärzte sogar erstaunt darüber. Dafür hatte sie eine andere große Baustelle, ihr Darm. Ich habe mich oft gefragt, wie Ärzte einen so kleinen Menschen operieren können und doch haben sie es zwei mal getan. Sie haben ihr bestes gegeben aber unsere Tochter entschied, dass sie lieber zu ihrer Schwerster wollte. Ihre Nieren versagten, etwas mehr als drei Wochen nach ihrer Geburt. Auch sie bekam ihre einzige Umarmung von ihren Eltern als die starb.

Mein Glaube an das Gute in der Welt wurde in diesem Moment hart auf die Probe gestellt. Doch jetzt, fast drei Jahre danach, kann ich sagen, dass er nie weg war. Ich habe weiter daran geglaubt, dass es gut werden wird und halt deshalb meine dritte Tochter Lätizia in meinem Armen. Die erste Umarmung von uns hat sie bekommen als sie genau 40+0 auf die Welt gekommen ist. Ich habe viel in dieser intensiven traurigen und auch zugleich schönen Zeit vor drei Jahren gelernt, vor allem Geduld. Diese Geduld wird nun von ihrer Schwester gern auf die Probe gestellt und ich bin dankbar dafür und für meine drei Töchter.

 

Autorin: Elisabeth H.

Erfahrungsbericht einer Frühgeburt von Zwillingen

 

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